Vormals in der Nähe Hobarts gelegen, siedelte man die Sträflingskolonie in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts nach Port Arthur um, weil die Halbinsel nur durch ein winziges Nadelöhr von 500m Breite (Eaglehawk’s Neck) zu passieren und dementsprechend leichter zu kontrollieren war. Ausbruchsversuche waren selten und noch seltener von Erfolg gekrönt. Was die Wachtrupps nicht schafften, übernahmen Hunger und Erschöpfung in der an Nahrung kargen Umgebung. Trotzdem gab es natürlich immer wieder Desperados, die das Risiko der Flucht dem endlosen Dahinsiechen im Lager vorzogen, wie wir von solchen Klassikern wie Papillon oder Lebenslänglich kennen.
Die meisten wurden also wieder eingefangen bzw. kamen von selbst zurück, und zu dieser Zeit entbrannte ein humanitärer Disput darum, welche Art der Bestrafung für solche Kreaturen die beste sei. Man entfernte sich zusehends vom blinden Auspeitschen (Todesstrafen wurden nur höchst selten ausgesprochen) und ging mehr dazu über, den Menschen durch Konfrontation mit der Bibel (alle Sträflinge mussten zum Gottesdienst) und vor allem sich selbst zu läutern und innerlich zu erbauen. Dies geschah in Form von Einzelhaft, in der die Häftlinge genug Gelegenheit hatten, über sich selbst und ihre Taten nachzudenken. Darüber sprechen durften sie nicht, denn es herrschte absolutes Schweigegebot. Unwillkürlich mussten Elbo und ich beim Betrachten der folgenden Tafel an Ruben denken, und wie es ihm wohl ergangen wäre, wenn er vier Wochen lang kein Wort reden dürfte…
Ein weiteres Highlight unseres Trips um die Halbinsel war der Tasman Devil Park, wo wir neben einigen anderen australischen Tierklassikern auch endlich die Teufel zu sehen bekamen. Die kleinen Racker haben momentan ziemliche Probleme, weil eine Art Krebs sich wie ein Lauffeuer durch ihre Population verbreitet und bereits 80% der selbigen dahingerafft hat. Die tasmanische Halbinsel ist eines der letzten Refugien, weil sich die Krankheit aufgrund des schmalen Zugangs noch nicht bis hierhin ausgebreitet hat.
Von seinem Wesen her, das wurde uns klar, als wir einer Fütterung beiwohnten, ist der Tasmanische Teufel ein gebisskräftiger Sozialdarwinist und erinnert in seiner Physiognomie und seinem sozialen Verhalten doch stark an Jautzi. In der abgebildeten Höhle befinden sich eine Mutter mit ihren vier Jungen, und als wenig später ein paar Stücken Wallaby über die Mauer flogen, ging ordentlich die Post ab. Mama Devil schnappte sich einen Batzen Aas und stratzte damit davon, während die kleinen Devils hinterher jagten oder sich um die anderen Fleischhappen balgten. Dieses Spielchen läuft eine ganze Weile, und nur die stärksten bekommen die saftigsten Portionen.
Von der ersten Minute ihres Lebens müssen die Devils um ihre Existenz kämpfen. Ein Wurf beinhaltet um die 20 Junge, die im Übrigen nicht größer sind als ein ungekochtes Reiskorn, für die jedoch nur vier Zitzen zur Verfügung stehen. Sich durchzusetzen ist also von Beginn an die oberste Maxime. Daher auch das energische Kämpfen um jeden Bissen Fleisch, wobei nicht selten Blut fließt (deswegen auch die hohe Übertragungsrate der Seuche). Begleitet wird das Ganze von einem ständigen Fauchen, Grunzen und Schmatzen, so dass man das Gefühl hat, vier geklonte Kalle Binias vernichten eine Packung Kartoffelchips.
Apropos Vernichtung: Das Wallaby bzw. die Teile davon werden vollständig beseitigt, und wenn man außenstehend die Knochen knacken hört, unterdrückt man den vor der Fütterung noch allgegenwärtigen Wunsch, die possierlichen Tierchen zu streicheln. Krokodile sind die einzigen Tiere auf dieser Welt, die einen stärkeren Kiefer besitzen als die Devils. Selbst auf die Jagd gehen können sie freilich nicht, dazu sind sie zu langsam und zu dumm. Allerdings können sie auf der Suche nach Aas Distanzen bis zu 20 Kilometern laufen, was nun wiederum gegen einen Vergleich mit Jautzi spricht.
Mitgenommen haben wir keins, auch wenn Elbo energisch darauf drängte. Wir konnten uns einfach auf keinen passenden Namen für den Racker einigen…
No worries
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